Deine Rechte und Pflichten als Hühner-HalterIn

Deutsches Tierschutzgesetz

Grundsätzlich gilt für deine Hühner im eigenen Garten das gleiche Recht wie für alle anderen Tiere. Nämlich das deutsche Tierschutzgesetz. Hühner gelten in Deutschland und Österreich als Nutztiere und werden deshalb auch vom Gesetz so behandelt. Du wirst wahrscheinlich das Beste für deine Tiere wollen und deshalb die Mindeststandards ohnehin „übertrumpfen“. Falls du dich jedoch dafür interessierst kann man die Mindeststandards für Hühnerhaltung in der „Verordnung zum Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere und anderer zur Erzeugung tierischer Produkte gehaltener Tiere bei ihrer Haltung“ nachlesen. Die Zielgruppe dieser Verordnung sind aber vordergründig gewerbliche Halter von Hühner, welche eben die Tiere in sehr großem Umfang halten. Wer sich diese Verordnung durchlest, merkt schnell warum es den meisten Hühnern in Deutschland nicht gut ergeht. Wer also seine Hühner so artgerecht wie möglich und besser als die gewerbetreibende Industrie halten will, sollte keine Probleme haben diese Mindestanforderungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung einzuhalten.

Früh kräht der Hahn – das Nachbarrecht

Niemand hat gerne Streit mit seinen Nachbarn und bevor man sich eigene Hühner in den Garten holt, sollte man sich mit den Nachbarn unterhalten, ob eine grundsätzliche Zustimmung vorhanden ist. Dies gilt vor allem für städtische Wohnsiedlungen oder „enge“ Siedlungen, wo Garten an Garten grenzt. Es ist also ratsam die Nachbarn an der Projektplanung von „eigenes Huhn im Garten“ teilhaben zu lassen und solltest du zu Beginn auf Abneigung der Nachbarn stoßen, hast du ja noch ein unwiderstehliches Angebot im Ärmel – täglich frische Eier aus Nachbars’ Garten. Wer kann da widerstehen?

Zeigt sich der Nachbar wenig oder gar nicht kooperativ und fühlt sich von dem krähenden Hahn und Gackern der Hennen belästigt, so greift aus juristischer Sicht das sogenannte private Nachbarrecht. Zivilrechtliche Bestimmungen regeln dabei Ansprüche und Verteidigungsrechte von Nachbarn untereinander. Wie man sich vorstellen kann, gibt es vor allem zum krähenden Hahn schon eine Menge an gerichtlicher Präzedenzfällen und Urteilen. Eine Lösung in manchen Fällen waren gewisse Zeiten zu denen der Hahn krähen darf und Zeiten, wann der Hahn im schalldicht isolierten Stall eingesperrt werden muss. Grundsätzlich gilt die Faustregel, dass zwischen 19 Uhr am Abend und 8 Uhr am nächsten Morgen kein Weckruf erschallen soll. Es gibt aber alle möglichen Einigungen und es muss wahrscheinlich im Einzelfall eine spezielle Lösung gefunden werden. Schwierig könnte sich hier nur die Kommunikation mit dem Hahn darstellen…

Mehr als ein Hahn und 20 Hennen im eigenen privaten Garten wird allgemein als unangemessen angesehen. Maßgeblich für alle juristischen Entscheidungen ist vor allem auch, ob sich der Garten in einem Wohngebiet oder am Land befindet. Im Dorfgebiet müssen die Nachbarn viel mehr Toleranz gegenüber Tierlauten üben als in der Stadt.

Eine Lösung unter Nachbarn könnte auch ein Hühnerstall mit automatischem Türöffner sein, welches per Zeitschaltuhr gesteuert wird und die Hühner erst nach den üblichen Krähzeiten des Hahns hinausgelassen werden. Empfehlen können wir dir außerdem in eine gute Isolation des Stalls zu investieren. Im Winter wird dadurch außerdem der Stall vor Frost geschützt.

Grundsätzlich raten wir zu einem offenen Gespräch mit den betroffenen Nachbarn und eine Einigung zu finden, ohne den Weg vor Gericht machen zu müssen. Wie gesagt: Eier sind immer ein gutes Angebot…

Deutsches Baurecht

Wenn du nur vier Hennen und einen Hahn im Garten halten möchtest, musst du dich auch nicht in einem Wohngebiet um baurechtliche Dinge kümmern. Wie Meerschweinchen oder Kaninchen gelten Hühner auch als „Kleintiere“. Anlagen für die Kleintierhaltung sind in einem Wohngebiet immer zulässig, wenn das Gebot der Rücksichtnahme eingehalten wird und die Ausmaße der Hühnerhaltung nicht überzogen sind. Vor Gericht gilt eine Hühnerherde von unter 20 Hennen und einem Hahn noch als angemessen. Dies bestätigen auch verschiedene Gerichtsurteile.

Grundsätzlich sind frei versetzbare Hühnerställe die beste Lösung für dich und deine Hühner im Garten ohne Gedanken an baurechtliche Genehmigungen verschwenden zu müssen. Solltest du stattdessen einen fixen Hühnerstall errichten wollen, musst du die Vorgaben des öffentlichen Baurechts beachten. Dieses wird länderrechtlich geregelt und fällt somit von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich aus.

Meistens gibt es gewisse Vorgaben zu Höchstgrößen für Stallanlagen und gewisse Mindestabstände des Stalls zum Nachbargrundstück. Zur Sicherheit kannst du beim zuständigen Bauamt nachfragen ab welchem Umfang eine Genehmigung für den Bau notwendig ist und welche Abstandsregelungen zum Nachbarn gelten. Um Probleme zu vermeiden, raten wir dir diese Dinge vor der Anschaffung des Hühnerstalls für deinen Garten zu tätigen.

Seuchenrecht – Melden deiner Tiere

Beim zuständigen Veterinäramt muss jedes einzelne Huhn in deinem Garten gemeldet werden. Dies gilt für alle Arten von Geflügel, wie auch Truthühner, Fasane, Wachteln, Enten usw. ab dem ersten Tier und ohne Ausnahmen.

Bei der Anmeldungen werden folgende Angaben benötigt:

Name und Anschrift des Halters

Art und Anzahl der gehaltenen Tiere

Nutzungsart und Standort der Tierhaltung

Des Weiteren musst du deine Tiere bei der Tierseuchenkasse (auch Tierseuchenfonds) melden. Das verlangt das Tierseuchengesetz von dir. Meist sind kleine Tierbestände beitragsfrei und du brauchst dich vor keinen Kosten fürchten.

Alle deine Gartenhühner müssen regelmäßig gegen Vogelgrippe (Newcastle Krankheit, atypische Geflügelpest) geimpft werden. Falls bei einem Geflügelbestand von weniger als 100 Tieren Verluste von mindestens drei Tieren innerhalb von 24 Stunden auftreten oder sich die Futteraufnahme oder Legeleistung erheblich verändert, muss der Besitzer der Tiere sofort einen Tierarzt kontaktieren. Es wird dabei immer auf das Vogelgrippe-Virus der Untertypen H7 und H5 untersucht

Arzneimittelrecht – Auch Hühner brauchen eine Hausapotheke

Im Bereich der Tiergesundheit greift die „Verordnung über Nachweispflichten der Tierhalter für Arzneimittel, die zur Anwendung bei Tieren bestimmt sind“ (Tierhalter-Arzneimittel-Nachweisverordnung). Jeder Tierhalter muss Nachweise über den Erwerb sowie die Anwendung von apothekenpflichtigen Arzneimitteln führen. Dazu gehören beispielsweise Antibiotika, deren übermäßiger Einsatz in der Intensivtierhaltung bekanntlich zu wachsenden Resistenzproblemen bei Krankheitserregern führt.

Für den Kauf von apothekenpflichtigen Tierarznemitteln sind folgende Nachweise zu erbringen für:

Fütterungsarzneimittel: Heben Sie die vom Hersteller mit dem Fütterungsarzneimittel übersandte erste Durchschrift der Verschreibung auf.

  • Arzneimitteln, die von einer Tierärztin oder einem Tierarzt abgegeben wurden: Lassen Sie sich den Nachweis „gemäß § 13 Abs. 1 Satz 2 und 3 der Verordnung über tierärztliche Hausapotheken“ aushändigen.
  • Arzneimitteln, die aus Apotheken bezogen wurden und verschreibungspflichtig sind: Hier gilt das Original der Verschreibung als Nachweis.
  • Sonstige Arzneimittel: Aufbewahrt werden sollten alle besondere Aufzeichnungen oder Belege wie tierärztliche Verschreibungen, Rechnungen, Lieferscheine oder Warenbegleitscheine, aus denen sich Lieferant, Art und Menge der erworbenen Arzneimittel ergeben.

Die Anwendung von Arzneimitteln, „die zum Verzehr außerhalb der Apotheken nicht freigegeben sind“, muss unverzüglich in ein vom Tierhalter geführtes Bestandsbuch eingetragen werden. Die Angaben müssen dabei vom Tierarzt abgezeichnet werden oder ein tierärztlicher Anwendungsbeleg dokumentiert werden. Dabei muss die Anzahl, Art und Identität der behandelten Tiere und, sofern zur Identifizierung der Tiere erforderlich, deren Standort, die Bezeichnung des angewendeten Arzneimittels, die Beleg-Nummer des Tierarztes, die verabreichte Menge des Arzneimittels, das Datum der Anwendung, die Wartezeit in Tagen und der Name der Person, die das Mittel verabreicht hat, angeführt werden.

Lebensmittelrecht

Wenn du die Eier deiner Hühner auch an Bekannte, Verwandte usw. abgeben möchtest, raten wir dir einen Blick auf die „Verordnung (EG) Nr. 852/2004 über Lebensmittelhygiene vom 29. April 2004“ zu werfen. Darin wird europaweit vorgeschrieben, dass Legehennenhalter mit weniger als 350 Tieren Eier nur unter folgenden Bedingungen abgeben dürfen:

  • Die Eier stammen aus eigener Erzeugung und werden an Endverbraucher zum Eigenbedarf abgegeben.
  • Die Eier dürfen nur ohne Sortierung nach Güte- und Gewichtsklassen abgegeben werden.
  • Eier müssen unmittelbar nach dem Legen bis zur Abgabe an Verbraucher sauber, trocken und frei von Fremdgeruch gehalten sowie wirksam vor Stößen und vor Sonneneinstrahlung geschützt werden.
  • Eier müssen bei einer möglichst konstanten Temperatur aufbewahrt und befördert werden.
  • Das maximale Mindesthaltbarkeitsdatum bei Eiern ist der 28.Tag nach dem Legen.
  • Eier sind ab dem 18.Tag nach dem Legen bei einer Temperatur von +5°C bis +8°C zu lagern oder zu befördern.
  • Eier dürfen nach Ablauf von 21 Tagen nach dem Legen nicht mehr an Verbraucher abgegeben werden.
  • Knick- und Brucheier dürfen nicht an den Endverbraucher vermarktet werden.
  • Umhüllungen und Verpackungen, die für Lebensmittel wieder verwendet werden, müssen leicht zu reinigen und erforderlichenfalls zu desinfizieren sein. Eierverpackungen aus Pappkarton erfüllen diese Anforderung nicht und dürfen somit nicht wieder verwendet werden.

Falls du deine Eier auf Märkten anbieten möchtest, musst du noch weitere Vorschriften beachten.

Hühnerschlachtung

Nicht jeder Hühnerhalter schafft es seine eigenen Hühner zu schlachten und zu essen. Verständlich, wie wir finden. Man kümmert sich ja tagtäglich um seine „Freunde“. Wer aber trotzdem mehr als nur Eier haben möchte, muss die „Verordnung zum Schutz von Tieren im Zusammenhang mit der Schlachtung und Tötung“ kennen. Sie greift dann, wenn du deine Hühner schlachten und verzehren möchtest. Im Gegensatz zu größeren Tieren wie Rindern oder Schweinen ist für die Schlachtung von Geflügel zum Eigenbedarf keine tierärztliche Kontrolle oder Fleischbeschau vorgeschrieben. Sofern ein schnelles und vollständiges Abtrennen des Kopfes erfolgt, ist auch die Betäubungspflicht nicht einzuhalten. Informiere dich aber trotzdem vor der Schlachtung wie du deinen Hühnern einen möglichst angenehmen Abschied bescheren kannst.

Haftung

Dieser Artikel soll einen groben Überblick über die rechtlichen Fragen zur Hühnerhaltung im eigenen Garten geben und ist nicht vollständig.
Wir übernehmen für unsere Aussagen keine Haftung und Fehler sind nicht auszuschließen. Für zuverlässige Aussagen kontaktiere am Besten den Juristen deines Vertrauens.